Vorbereitung aufs Leben
Sozialisierung - die Gewöhnung an die belebte Umwelt
(Menschen, Katzen, andere Hunde, das "Miteinander" ...)
Habituation - die Gewöhnung an die unbelebte Umwelt
(Gras, Sand, Stadtgeräusche, Staubsauger ...)
Prägung - Grundannahmen über die Welt
(Tief und dauerhaft im Wesen verankert)
Prägephasen - enge Zeiträume,
in denen die Tür zum Unterbewusstsein offen ist
Sehr theoretisch, ich weiß.
Im Klartext: Die Babys sollen im richtigen Alter die richtigen Erfahrungen machen - und auf keinen Fall die falschen.
Die Prägephasen sind enorm wichtig, denn die Erfahrungen, die zu diesen sensiblen Zeiten gemacht werden, sind unwiderruflich im Wesen des Hundes gespeichert. Werden diese Phasen verpasst oder mit schlechten Erfahrungen belegt, ist es häufig schwer bis unmöglich, den Hund vom Gegenteil zu überzeugen.
Extreme Beispiele wären etwa Straßenhunde, die zwar lernen, ihrem Herrchen zu vertrauen, trotzdem aber ihr Leben lang vorsichtig gegenüber Menschen sein werden. Oder Tierschutzhunde, die zwar irgendwann nah bei Frauchen durch die Stadt laufen können, aber trotz des vielen Trainings bei jedem lauten Geräusch erschrecken.
Solche Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken -
das ist eine unserer Aufgaben als Züchter.
Wenn Planung, Schwangerschaft und Geburt gut überstanden sind, fängt für uns die schönste, aber auch anstrengendste Zeit an:
Die Prägung mit allem was dazu gehört.
Wir sind immer in der Nähe unserer Babys, sitzen in der Wurfbox dabei und schlafen innerhalb der ersten Wochen sogar neben ihnen.
In den ersten vierzehn Tagen sind die kleinen Königskinder noch blind und taub. Sie nehmen ihre Umwelt über das Fühlen und Riechen wahr. Sie fühlen die Wärme ihrer Mutter - und genauso unsere. Sie verbinden den hündischen Geruch von Mama und Geschwistern mit Geborgenheit - und genauso unseren menschlichen Duft. Sie spüren Mamas fürsorgliche Zunge - und unsere liebevollen Hände.
So wichtig wie die Sicherheit ist auch jetzt schon das Erleben verschiedener Eindrücke. So sorgen wir in dieser Zeit beispielsweise bewusst für verschiedene Untergründe in der Wurfkiste. Mal krabbeln die Kleinen über eine flauschige Decke, mal über ein raues Handtuch. Nach einer Weile sorgen kleinere Hindernisse wie ein menschlicher Fuß oder ein Kuscheltier für erste Problemlösungsstrategien und geben unseren Thronfolgern das nötige Selbstbewusstsein, um zu wesensfesten Hunden heranzureifen.
Schlaue Menschen haben sich ursprünglich für Militärhunde etwas einfallen lassen, das sich "Frühzeitige neurologische Stimulation (FNS)" oder auch "Taktile Stimulation" nennt. Die Welpen werden dabei durch verschiedene, genau festgelegte Übungen in leichte Stresssituationen gebracht (beispielsweise fünf Sekunden in Rückenlage festhalten) und profitieren so von körperlichen Vorteilen (besseres Immunsystem, stärkere Herzschläge usw.) und der Stärkung ihres Wesens (Stresstoleranz, Problemlösung, usw.).
Speziell die Rückenlage ist aber für unsre Babys keine Herausforderung - die schlafen auch so.
Der Fernseher erfüllt übrigens nicht nur Unterhaltungszwecke für uns Menschen (Babys anschauen und kuscheln reicht ohnehin völlig). Wenn die anderen Sinnesorgane der kleinen Könige erwachen, erfahren sie durch die Flimmerkiste wechselnde Lichtverhältnisse und verschiedene Geräusche (von Krimi-Schreien und Sirenen über Tierdokus mit Enten oder Elefanten bis zu bellenden Hunden von Martin Rütter). Zusätzlich arbeiten wir mit verschiedenen Sounds, um beispielsweise Silvesterlärm mit leckerem Futter zu verbinden.
Anfangs sind die Babys in den meisten Fällen durch Mamas Milch gut versorgt. Bald schon reicht ihnen das aber nicht mehr. Damit die kleinen Raubtiere bestmöglich versorgt und auf alles vorbereitet sind, was sie später auf den Teller kriegen, verwöhnen wir sie mit einer gut durchdachten Speisekarte. Milchbrei mit Banane steht dabei genauso auf dem Plan wie eingeweichtes Trockenfutter und hochwertiges Dosenfutter. Highlight ist aber jedes mal das Frischfleisch. Da bemerkt man die Jäger-Abstammung unserer Kuscheltiere sehr deutlich.
Der Radius der Knirpse und ihre Abenteuerlust wird immer größer. So erkunden sie erst die Wurfbox, dann den näheren Umkreis. Wenn ihnen schließlich selbst das ganze Zimmer zu langweilig ist, übernimmt die Rasselbande unsere Wohnung und springt zwischen alltäglichem Haushalt und unseren Katzen herum. Wie sollte man besser in das Leben beim Menschen hineinwachsen?
Und weil auch das ganze Haus irgendwann erkundet ist, geht es ab der vierten Woche auch in den Garten. Erst nur abgegrenzt - schnell erobern die kleinen Herrscher aber jede Ecke des über 1000qm großen Gartens. Was es da alles zu erleben gibt ...!
Es kommt der Zeitpunkt, da können wir der Rasselband nur noch mit Mühe neue Erfahrungen bieten. Sie haben bei uns nun viel erlebt. Und, was noch wichtiger ist, sie haben die beiden wichtigsten Dinge verstanden:
Der Mensch ist mein Freund!
&
Neue Dinge sind toll!
Genau jetzt ist der Zeitpunkt, an dem das Königskind am allerbesten dort aufgehoben ist, wo es den Rest seines Lebens verbringen soll.
Bei euch!
Nun ist es an euch, die Reise mit dem kleinen Entdecker fortzuführen. Es warten viele Abenteuer auf euch. Gemeinsam werdet ihr sie bestehen! Denkt daran: